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Ayurveda und der weibliche Zyklus


Die Rose als Symbol der Weiblichkeit
Die Rose als Symbol der Weiblichkeit

Über die Ursachen und natürliche Behandlungsmethoden von Zyklusstörungen und Erkrankungen der Fortpflanzungsorganen bei der Frau


Unterschiede in der ayurvedischen und der westlichen Sichtweise von Zyklusbeschwerden


Balaraj Maharshi, Arzt und einer der angesehendsten ayurvedischen Autoren von Indien hat in seiner fast 50 jährigen Tätigkeit bemerkt, dass nirgendwo auf der Welt so viele Frauen unter Zyklusbeschwerden und gynäkologischen Erkrankungen leiden, wie in den westlichen Industrieländern. Dies ist ein Punkt, der mir in meiner Praxis auch immer wieder auffällt: Alle Neupatientinnen und Neupatienten befrage ich bei der Erstkonsultaiton über ihren allgemeinen Gesundheitszustand und kaum eine Frau sagt, dass ihr Menstruationszyklus problemlos verläuft. Von leichten, kaum wahrnehmbaren Symptomen vor "den Tagen" bis hin zu regelrechten Krankheitssymptomen vor und während der Regelblutung ist die gesamte Palette an Beschwerden vertreten.


Menstruationsbeschwerden  – keine Erkrankung, sondern ein Ungleichgewicht
Menstruationsbeschwerden – keine Erkrankung, sondern ein Ungleichgewicht

Viele Frauen erachten dies leider als normal, weil sie gar nie einen gesunden Zyklus spüren durften und daher nie erfahren haben, wie leicht und beschwerdenlos eine Menstruation sein kann und natürlicherweise sein sollte.




In der klassischen Medizin wird das Augenmerk vor allem auf organische und funktionelle Gegebenheiten gelegt: Es werden Untersuchungen durchgeführt bezüglich Erregerbefall (Bakterien, Pilze, sonstige Krankheitserreger), es wird nach abnormen Veränderungen wie Zysten, Endometriose, sonstige Gewächse (Tumore) gesucht, die Hormone werden untersucht und wenn etwas abweichendes gefunden wird, wird therapeutisch ausgeglichen: Zysten entfernt, der Hormonstatus mit der Pille, der Spirale oder sonstigen Hormonersatzmitteln ausgeglichen, Gewebsneubildungen werden herausgeschnitten, das Behandlungsspektrum ist lang, die Symptomatik verbessert sich oft für einen gewissen Zeitraum. Jedoch konnte mir bisher noch keine Frau berichten, dass sie mit all diesen Möglichkeiten von den Beschwerden geheilt wurde. Diese Behandlungsmethoden sind allesamt symptomorientiert, der krankheitsauslösende Faktor, die Ursache, bleibt aber unverändert.


Heilung empfangen – die heilende Energie steckt in uns allen
Heilung empfangen – die heilende Energie steckt in uns allen

Unter Heilung versteht man das Verschwinden der Krankheitsfaktoren, die Krankheitsinformation ist nicht mehr im Körper drin.
Alle Körper- und Geistsysteme arbeiten harmonisch miteinander.



Symptome können medikamentös rasch gelindert werden, das ist beispielsweise spürbar bei der Einnahme einer Schmerztablette bei den Menstruationskrämpfen. Von Heilung kann aber erst dann gesprochen werden, wenn die Krämpfe (oder sonstige Symptome) gar nicht erst wieder kommen und keine Schmerzmittel mehr benötigt werden.


Warum also kann mit der modernen Medizin die Symptomatik meistens gelindert, jedoch nicht immer komplett geheilt werden? Die Antwort auf diese Frage mag für uns "Westler" etwas ungewohnt klingen:

Unser Körper besteht nicht nur aus einer funktionierenden Einheit von Organen. Meistens lassen wir den Einfluss von der Geistesebene aussen vor. Auf der Geistesebene spielt sich unsere allgemeine psychische Verfassung ab, aber auch erfahrungsbedingte Emotionen (ob wir eine Erfahrung als schön, schlimm, etc. empfinden und entsprechende emotionale Verknüpfungen herstellen).

Die Tatsache, ob wir glücklich, zufrieden, depressiv, oft wütend, unausgeglichen, etc. sind, hat einen grossen Einfluss auf unseren Körper. Über die Psychosomatik teilt uns unser Körper auf der Organebene mit, wenn im Geist ein Ungleichgewicht ist. Jedem Organ sind Emotionen zugeordnet. Wenn eine belastende Emotion überhand nimmt, der betroffene Mensch dies jedoch ausblendet und ignoriert oder sich im Moment einfach nicht dem Problem annehmen kann, zeigen sich nach einer mehr oder weniger langen Zeitspanne körperliche Beschwerden in dem Organ, das am meisten auf die entsprechende Emotion anspricht. Es entstehen körperliche Symptome auf der Ursache einer geistigen (oder seelischen) Belastung. Der Ausdruck Psychosomatik kann hier auch mit Körper-Geist-Kommunikation übersetzt werden. Die Beispiele hierzu sind vielfältig: Verdauungsprobleme vor Prüfungen, Tendenz zu Nierenproblemen bei belastenden Beziehungen, Leberbelastungen bei ausgeprägter Reizbarkeit und Wut, etc.



Lord Dhanvantaram, ayurvedischer Gott der Medizin
Lord Dhanvantaram, ayurvedischer Gott der Medizin
Nach ayurvedischer Sicht werden die körperlichen, geistigen und körperlich-geistigen Funktionen, sowie deren Kommunikationswege von den drei Steuerungsprinzipien (= Doshas) Vata, Pitta und Kapha gelenkt.
Vata, Pitta und Kapha sind dafür verantwortlich, dass unser Körper seine Funktionen ausüben kann: Herzschlag, Atmung, Verdauung, Hormonproduktion, Nervreizverarbeitung bis hinein in die Aktivität unserer kleinsten Zellen werden beeinflusst.
Geraten diese drei Steuerungsprizipien oder auch nur eines davon aus dem Gleichgewicht, sind die Körperfunktionen eingeschränkt und es entstehen erst Funktionsstörungen, nach einer gewissen Zeitspanne dann auch strukturelle Schäden.



Ayurvedische Steuerungsprinzipien Vata, Pitta und Kapha


VATA

Vata ist unter anderem verantwortlich für für die Steuerung aller bewegungsbezogenen Funktionen: Atmung, Sinneseindrücke, Peristaltik der Verdauungsorgane, der Fluss aller Flüssigkeiten in die richtige Richtung.


Ist das Prinzip Vata gestört, entstehen Symptome wie Spannungen, Unruhe, Nervosität, Hibbelig-Sein, Zittern, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Zyklusunregelmässigkeiten, allgemein Schmerzen, Krämpfe in der Muskulatur, der Verdauung, der Unterleibsorgane, Depression, Kälte, Trockenheit, Druckgefühl, weil die natürliche Ausscheidungsbewegung blockiert oder gar in die falsche Richtung gelenkt ist und viele mehr.


Zeichen eines ausgeglichenen Vatas: Ausgeglichenheit und Regelmässigkeit in den Körperfunktionen, die Bewegung enthalten: Herzschlag, Verdauung, Atmung, Menstruationsfluss aber auch Ruhe im Geist, Kreativität, Freude an den Schönheiten der Natur und viele mehr.

PITTA

Pitta reguliert unter anderem die Vorgänge des Stoffwechsels, die Hitze benötigen: Aufspaltung der Nährstoffe, Produktion starker Verdauungssäfte, Regulierung der Körpertemperatur, aber auch Motivation, Antrieb und Durchhaltewillen gehören zu Pitta.


Ist Pitta nicht im Gleichgewicht, entstehen Symptome wie Übersäuerung, Hitzegefühle, Entzündungen, Fieber, Brennende Empfindungen, Gereiztheit, Wut, Aggression und viele mehr.


Zeichen eines ausgeglichenen Pittas: Tatendrang, Motivation, rasche Auffassungsgabe, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, gut funktionierende Verdauung (v.a. Nährstoffaufspaltung) und viele mehr


KAPHA

Kapha hat als Hauptfunktio die Aufgabe des Massenaufbaus, Wachstum, Stabilität, Immunstärkung, Ruhe, Regeneration.


Bei einem gestörten Kapha entstehen Trägheit, Schweregefühle, Kälte, Schleim, Gewichtszunahme, Langsamkeit, Juckreiz, Stauungen, Schwellungen und viele mehr.


Zeichen eines ausgeglichenen Kaphas: Ruhe, Bodenständigkeit, gesundes Gleichgewicht von Substanzaufbau und -abbau, Robustheit, starkes Immunsystem.



Dosha-Beteiligung bei Krankeheit und Heilung

Bei vielen Symptomen und Beschwerden sind mehrere Doshas irritiert. Sehr vereinfacht kann gesagt werden, dass die Behandlung von Vata die anderen Doshas auch wieder ausgleicht, da sich alle drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) gegenseitig beeinflussen.


Körperliche und psychische Überforderung als Alarmzeichen einer unausgeglichenen Lebensführung
Körperliche und psychische Überforderung als Alarmzeichen einer unausgeglichenen Lebensführung


In unserer schnelllebigen Gesellschaft mit dem Fokus auf Leistung und Selbstoptimierung ist es eine grosse Herausforderung, das innere Gleichgewicht zu halten. Ein Grossteil der Menschen findet keine Erfüllung in der täglichen Arbeit, leidet unter dem herrschenden Druck, kann nicht im eigenen Rhythmus leben, weil Arbeit, Familie, Freunde unter einen Hut gebracht werden müssen. Diese Tatsache bietet einen grossen Nährboden für die Entstehung von Zyklusbeschwerden (und natürlich auch alle anderen Erkrankungen).





Es gibt äussere Faktoren für eine Symptomentstehung (belastende Beziehungen, Unzufriedenheit bei der Arbeit, das tägliche Hamsterrad, viele Anforderungen, die einem nicht entsprechen, erfüllen müssen, etc.). Es gibt aber auch innere Faktoren, die eine Krankheitsentstehung begünstigen (Genetik, angeborene Störungen, etc.). Je nach Symptomstatus kann eine Erkrankung vollständig geheilt werden (v.a. bei funktionellen Störungen, wenn das betroffene Organ und die Gewebe noch intakt sind), oder zumindest gelindert werden (bei strukturellen Schäden, wenn das Organ defekt oder vernarbt ist). Es spielt keine Rolle ob die Krankheitsursache innerlich oder äusserlich ist, in jedem Fall kann zumindest eine Verbesserung erzielt werden. Bezogen auf die weiblichen Zyklusbeschwerden basiert die Therapie aller Symptome und Erkrankungen auf den folgenden Pfeilern:


🕉 Harmonisierung des Alltags und Behandlung der irritierten Doshas:

Regelmässige Essens- und Schlafenszeiten, Rituale, Entspannung, Atemübungen, Phytotherapeutika, Manualtherapien (Massagen),...

Regelmässigkeit und Ruhe sind die Hauptpunkte in der Behandlung, denn es bringt schon sehr viel, wenn sich die Frauen jeden Tag Zeiten gönnt, die nur ihr gehören und in denen sie Tätigkeiten nachgehen, die sie erfreuen, entspannen. Gerade während den Blutungstagen sollten die Frauen generell einen Gang zurückschalten, sich mehr Ruhezeit gönnen und auch sportliche Aktivitäten auf ein Minimum von max. 30 Minuten leichtes Spazieren reduzieren. Auch bei einem gefüllten Alltag mit Arbeit und Familie sind solche Zeitosasen heilsam und die Basis der Therapie von Zyklusbeschwerden. Da reichen auch nur wenige Minuten pro Zeitinsel, wichtig ist aber, in dieser Zeit den Alltag kurz hinter sich zu lassen (kein Natel, kein TV)!


Mögliche Rituale:

Morgendliches Yoga, Meditation, schöne Dusche und den Körper einölen/eincremen, sich Zeit nehmen um in den Tag zu starten

Abendmeditation, Atemübungen, Yoga, Fussmassage mit Entspannungsöl (Lavendel, Rose, Orangenblüte, Mahanarayana-Öl, ..., Schlafmilch mit Ashwagandha, Safran, Zimt, Kardamom und etwas Honig oder Schlaftee (Mischung in Drogerie zusammenstellen lassen), kein Bildschirm am Abend (TV, Natel und wenn doch, dann mit Blaulichtfilter),...


Oft eingesetzte Phytotherapeutika:

- Ashwagandha zur allgemeinen Spannungslinderung (mental und physisch)

- Shatavari zur Regulierung der Funktionen im weiblichen Zyklus

- Triphala bei Verdauungsbeschwerden in Richtung Verstopfung

- viele andere abgestimmt auf das individuelle Symptombild 

Lindernde Massagen zur Selbstanwendung:

- Abendliche Fussmassage (beruhigt den Geist, verlangsamt das Gedankenkarussell, verbessert

den Schlaf, wirkt stressreduzierend)

- Fussreflexzonenmassage

- Bauchmassage zur Regulierung der Verdauung und Beruhigung der Unterleibsorgane

- Massage des unteren Rückens und Marmapunkte (= Energiepunkte), die in Kommunikation

mit den Unterleibsorgane stehen


🍎 Konstitutionsgerechte Ernährung:

Dem Körper diejenigen Nährstoffen in genügender Menge zuführen, die er braucht. Eine Vata-Konstitution hat andere Bedürfnisse als eine Pitta-, Kapha- oder Mischkonstitution. Mit der bedarfsgerechten Ernährung wird die Verdauung entlastet, die Nährstoffaufspaltung und -aufnahme aus dem Darm ins Blut sowie der Transport zu den Zellen erfolgt leichter und besser, was die Versorgung von Körpers und Psyche sicherstellt. Eine gute Nährstoffversorgung ist Grundvoraussetzung für einen gesunden Körper und Geist, da aus den Nährstoffbausteinen alls Strukturen, Hormone, Enzyme, Säfte etc. hergestellt werden.


Für alle Konstitutionen ist eine Nahrung zu empfehlen, die leicht verdaulich ist, warm, feucht, ölig und alle sechs Geschmacksrichtungen enthält (süss, sauer, scharf, salzig, bitter, zusammenziehend).


Die folgenden Bilder teilen die Nahrungsmittel den Doshas zu, jedoch ersetzt dieser Blog nicht eine Ernährungsberatung. Insbesondere bei Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, muss gut hingeschaut werden, damit kein Nährstoffmangel entsteht. Bei diesen beiden Ernährungsformen sollte supplementiert werden mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, da diese über die vegane Ernährung nur sehr schwer zugeführt werden können. Mängel können sich bemerkbar machen, indem die Menstruation komplett ausbleibt. Dies ist ein Zeichen, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, ein Kind zu entwickeln und auf diese Art die Notbremse zieht. Solange jedoch nur die Funktionalität der Fortpflanzungsorgane eingeschränkt ist, besteht kein Grund zur Sorge: Mit einer gezielten Supplementierung kann der Körper wieder genug gestärkt werden, dass einer gesunden Schwangerschaft nichts mehr im Wege steht.


Die folgenden Tabellen enthlten Nahrungsmittel, die ihre Hauptwirkung auf das Kapha-Dosha haben. Da sich viele Zyklusbeschwerden aufgrund eines erhöhten Vata-Doshas entwickeln, können wir mit der Nahrung den gegenspieler, das Kapha stärken. Ist Kapha positiv reguliert, senkt sich Vata von selbst.



🧘🏼‍♀️ Yoga:

Kaum eine Bewegungsart vereint Kräftigung und Dehnung der Muskulatur so wunderbar wie Yoga. Nebst den Asanas (= Übungen, Positionen), die auf den Körper einwirken, wird beim Yoga das Bewusstsein für das eigene Selbst gestärkt und gefördert. Beim Yoga geht es auch um die Liebe, Akzeptanz und Anerkennung von sich selber, eine liebevolle Beziehung zu sich selber aufbauen und pflegen.


Dass Yoga weitaus mehr ist als Muskeldehnung und -kräftigung zeigen die 8 Pfade des Yogas, die als Anleitung zu einem geistig und körperlich erfüllten Leben zu verstehen sind:

1. Der Umgang mit der Umwelt (sei ehrlich und respektvoll zu den anderen Lebewesen)

2. Der Umgang mit sich selber (sei ehrlich und respektvoll zu dir selber)

3. Der Umgang mit dem Körper (Asanas)

4. Der Umgang mit dem Atem (Atemübungen, Pranayama)

5. Der Umgang mit den Sinnen (Reizüberflutung vermeiden)

6. – 8. Der Umgang mit dem Geist:

6. Konzentration

7. Meditation

8. Das Höchste, die innere Freiheit, Glückseligkeit


Um auf geistiger Ebene Harmonie zu erlangen, bedient sich der Ayurveda bei den Yoga-Weisheiten. So gehen Yoga und Ayurveda Hand in Hand und unterstützen einander gegenseitig in der Gesundheitserhaltung bzw. Wiedererlangung der Gesundheit.


Der weibliche Zyklus und die Doshas

Jeder Zyklus unterliegt einem Rhythmus. Unser gesamtes Leben ist geprägt von Rhythmen: Tag-Nacht, Mondphasen, Gezeiten, Jahreszeiten, Menstruation, die Aktivität unserer Organe (Organuhr, die besagt, dass jedes Organ innerhalb von 12 Stunden während 2 Stunden seine stärkste und in den verbleibenden 12 Stunden während der gleichen 2 Stunden seine schwächste Phase hat. Beispiel Leber: Nachts zwischen 01h und 03h ist die Leber am aktivsten, während sie nachmittags zwischen 13h und 15h am schwächsten arbeitet).

Diese fein aufeinander abgestimmten Rhythmen sind störungsanfällig. Je nach Konstitutionstyp reagiert eher das Vata-Dosha, das Pitta-Dosha oder das Kapha-Dosha auf die Störfaktoren, wobei das Vata-Dosha am anfälligsten ist.


Das moderne westliche Leben bietet uns Frauen viele neue Möglichkeiten, die unseren Grosseltern noch verwehrt waren: Wir haben Zugang zu Universitäten, zu hohen Manager- und Politikerämter, wir können die Arbeit machen, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch den Männern vorbehalten waren. Diese neuen Möglichkeiten haben jedoch auch eine Schattenseite: Je mehr wir uns der modernen Möglichkeiten bedienen, desto mehr gerät unser innerer Rhythmus aus dem Takt. Es ist eine grosse Herausforderung, den Fokus der eigenen Gesundheit nicht aus den Augen zu verlieren und dennoch Erfüllung im Beruf und in der Familie zu finden. Eine Frau, die sich selber ans Limit begibt um der Familie ein schönes Leben zu bieten und ihre Karriere gleichzeitig voranzutreiben, schadet nicht nur sich selber langfristig, sondern ist auch für die Kinder und das Umfeld ein schlechtes Vorbild, weil die Leistungsfalle omnipräsent ist. Gerade während der Blutungsphasen der Menstruation wären Ruhe und Rückzug besonders wichtig. Das bedeutet nicht den Rückzug ins stille Kämmerlein, aber eine entsprechende Organisation des Alltags in dieser Zeit: Keine belastenden Termine vereinbaren, Unwichtiges aufschieben bis nach den Blutungstagen, Die Kinder mal zu den Grosseltern oder Freunden geben um ruhig schlafen zu können in der Nacht, keine anstrengenden Sport- und Haushaltprogramme absolvieren, sich Zeit nehmen für Muse, etc. Langfristig werden sich die Zyklusbeschwerden verbessern, weil auf diese Weise dem Körper mehr Zeit für Ruhe und Regeneration geschenkt wird und durch die Regelmässigkeiten beim Essen und Schlafen die Ausschüttung der Stresshormone (allen voran des Cortisols) deutlich reduziert werden.


Der Alltag ist voll von solchen Oasen: Die morgendliche Dusche, der Pausenkaffee, der Spaziergang mit dem Hund, sogar Arbeiten wie putzen, bügeln, kochen. Es geht darum, mit dem Fokus im Moment zu sein, mit allen Sinnenpräsent zu sein. Ein grosser Stressfaktor sind wir selber, indem wir gedanklich ständig bei mehreren Dingen gleichzeitig sind. Es gilt, die Momente im Alltag zu suchen und zu finden, bei denen der Kopf abgeschaltet werden kann und sich der Fokus im Hier und Jetzt befindet. Ein Kaffee oder Tee trinken, duschen, spazieren, etc. sind Wellnessmomente. Nimm wahr, wie das warme Wasser auf deinen Körper prasselt, welche angenehmen Gefühle die durftende Seife auslösen. Das erfrischte Körpergefühl nach dem Abtrocknen, das Gefühl von Sauberkeit, Frische, bereit sein für den Tag. Bei Kaffee- oder Teetrinken nimm wahr, wie die heisse Flüssigkeit deine Kehle hinunter rinnt, den Bauch erwärmt. Geniesse die Geschmacksexplosion in deinem Mund bei jedem Schluck. Bim Spazieren, rieche die Luft, spür die Brise, die dir sanft ins Gesicht weht. schau die Farben, Blumen, Wolken in deiner Umgebung. Höre auf die Vögel. DAS sind Pausen, da ist das Nervensystem auf Entspannung gepolt. Je mehr solche Momente du in deinen Alltag einbauen kannst, desto entspannter wird dein gesamter Organismus mit der Zeit und kann besser mit hektischen Stressphasen umgehen (die ja auch zum Alltag gehören, es muss einfach entsprechend damit umgegangen werden um gesund zu bleiben).


Innehalten, tief durchatmen, sich ausgiebig strecken und recken.
Innehalten, tief durchatmen, sich ausgiebig strecken und recken.

Innehalten, ein paar tiefe Atemzüge nehmen, sich ausgiebig strecken und durchbewegen. Sofort kommt ein Energieschub und das Weitermachen geht ringer.






Die oben genannten Behandlungspfeiler (Harmonisierung der Doshas, Ernährung, Yoga) setzen bei der Ursache der Symptome an, indem das innere Gleichgewicht wieder hergestellt wird. So wird auch verständlich, warum ein regelmässiger Alltag mit regelmässigen Schlafens- und Essenszeiten so wichtig ist. Nach diesen Erkenntnissen wird auch ersichtlich, dass Schichtarbeiten, immer wechselnde Arbeitszeiten oder mehrere verschiedene Arbeitsstellen die Problematik der Zyklusbeschwerden noch fördern.


Die gängigsten Menstruationsbeschwerden lassen sich leicht einteilen



Idealerweise werden Binden oder Pantys verwendet und keine Tampons oder Tassen. Das Einführend dieser Hilfsmittel kann die Abwärtsbewegung und den Blutfluss behindern, was die Beschwerden noch verstärkt.


Vata-bedingte Menstruationsbeschwerden

PMS: Nervöse Spannungen, Stimmungswechsel, Angst, Depression, Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit, Verstopfung, Blähungen, Erschöpfung


Während der Blutung: Schmerzen, Krämpfe, Rückenschmerzen, längere Blutungsdauer (länger als 5 – 6 Tage), leichte Blutung, dunkles, klumpiges Blut, unregelmässiger Zyklus, Schmierblutungen


Allgemeine Diagnosen: Endometriose, Dysmenorrhoe


Pitta-bedingte Menstruationsbeschwerden

PMS: Reizbarkeit, Ärger, erhöhter Appetit, Zuckergelüste, Kopfschmerzen (v.a. Migräne), übermässige Körperhitze bzw. Schwitzen, Durchfall oder vermehrter Stuhlgang, Hautausschläge, Akne


Während der Blutung: Übermässige Blutung, verkürzter Zyklus, Kopfschmerzen


Allgemeine Diagnosen: Menorrhagie (= verlängerte und verstärkte Blutung), übermässige Vermehrung der Gebärmutterschleimhaut


Kapha-bedingte Menstruationsbeschwerden

PMS: Gewichtszunahme, Stauungserscheinungen, Vergrösserung der Brüste, Lethargie, Vaginalpilz, langsame, träge Verdauung


Während der Blutung: Steifheit im Rücken und der Gelenken, blasses, schleimiges Menstruationsblut, Blutgerinnsel


Allgemeine Diagnosen, Stauungserscheinungen, fibrozystische Erscheinungen an den Brüsten, Eierstockzysten, Gebärmuttermyome, Vaginalentzündungen (ausgelöst durch Hefepilz)


Je umfassender das Therapiekonzept ist, desto erfolgreicher und langfristiger ist die Behandlung. Jedoch muss auch die Zeit reif sein für solch ganzheitliche Therapien. Es können auch Einzelpfeiler angewendet werden und nicht das Gesamtpaket. Der Therapieplan wird zusammen mit den betroffenen Patientinnen individuell erstellt, damit es für die Frau auch umsetzbar ist in ihrem Alltag. Es kommt immer drauf an, wie stark der Leidensdruck ist, wie die allgemeine Situation ausschaut bezüglich Familie, Partner, Arbeitsplatz, Energielevel und Kraftreserven, um sich in solche Veränderungen zu begeben.


Ich freue mich, euch auf dem Weg in die Harmonie und zum Wohlbefinden zu begleiten. Eine gesunde Menstruation tut nicht weh, beeinträchtigt nicht den Alltag und stellt einen wunderbaren Reinigungseffekt dar. Sie lässt sogar neues Blut entstehen mit jungen, starken unverbrauchten Blutzellen, was sich für die Frau als Energieschub in den "Tagen nach den Tagen" bemerkbar macht.


Herzlichst, eure Renana


Quellen:

  • Ayurveda für Frauen Nancy Lonsdorf, Knaur-Verlag, 2001

  • Ayurveda Medizin, Gupta, Stapelfeld, Thieme-Verlag


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